Freitag, 14. Oktober 2016

Ebbe und Flut.

Es ist still geworden auf diesem Blog, doch mein Leben läuft nicht still vor sich hin, vielleicht muss es das auch nicht.

Es gibt keine Neuigkeiten bezüglich der Genehmigung der dringend ambulanten Psychotherapie, die Krankenkasse hat sich noch in keinster Weise zu dem Widerspruch geäußert.

Aber wir haben viel für uns geworben, um Hilfe bei diversen Stellen und Institutionen gebeten.
Wir haben den Weißen Ring angeschrieben, weil wir denken, dass die vielleicht helfen können, die Frau, die mich telefonisch kontaktieren wollte, hat dies aber leider bisher noch nicht getan.

Wir haben dem Sozialpsychiatrischen Dienst der Stadt eine Mail geschrieben, weil wir gelesen hatten, dass man da Hilfe bekommt und unsere ehemalige Geländetherapeutin und noch immer (aus der Ferne) wichtige Bezugsperson, uns schon öfter geraten hat, doch mal zu schauen, welche Hilfs- und Entlastungsangebote es für uns geben könnte.
Und das wollen wir am Montag in Erfahrung bringen, haben aber große Angst davor, für verrückt oder psychotisch gehalten zu werden, weil wir von wir sprechen, von Anteilen, dass wir Angst (um uns) haben.
Wir werden die Informationen dosiert weitergeben müssen und uns das alles erst einmal anhören, denn momentan verfügen wir wohl über zu viel Vermögen (ja, andere würden sich freuen, ich tus in diesem Falle nicht), was dafür sorgen würde, dass wir die Hilfe dann selber zahlen müssten.
Dafür sind wir nicht bereit, da wir das Geld so hart angespart haben, dann "schaffen wir es lieber vorher zur Seite".
Zumal wir nicht wissen, wie du uns dort überhaupt helfen können.

Eigentlich brauchen wir nur diese fucking notwendige ambulante Psychotherapie, doch das zieht sich ja leider. Unsere jetzige Therapeutin deutet leider immer wieder offen an, dass sie uns nicht wirklich helfen kann, dass sie nur eine Art sozialer Kontakt für uns sein kann.
Und diese Wahrheit schmerzt, weil wir so dringend adäquate Hilfe brauchen, weil sich im Inneren Dinge offenbaren, mit denen ich so gar nicht umgehen kann, weil ich doch die starke Alltagsperson bin und für Gefühle und Traumatisches nicht zuständig und auch nicht bereit.


Wir haben die Klage wegen des Schwerbehindertenausweises am Dienstag zum Sozialgericht gebracht, weil uns die Merkzeichen nicht zuerkannt werden und wir der festen Überzeugung sind, dass sie es aber müssten.
Unsere Klageschrift ist drei Seiten lang plus im Anhang ein Urteil eines ähnlichen Falles von vier Seiten.
An sich sehe ich gute Chancen, da das Versorgungsamt einfach Dinge "übersehen" hat bzw. sehr stark pauschalisiert hat, in der Begründung für den GdB wurde lediglich eine "mittlere soziale Anpassungsstörung" notiert.
Hm, ja, genau, das triffts.... irgendwie so gar nicht.

Sie haben die dissoziativen Krampfanfälle (inklusive Umfallen, nicht mehr gehen und stehen können, Sehstörungen etc.) gepflegt ignoriert, ebenso die öfter mal auftretende Orientierungslosigkeit aufgrund von Switches in der Öffentlichkeit (inklusive verdammt auführlicher Erklärung meinerseits und auch eindrücklicher Erklärungen meiner Geländetherapeutin) (und ja, ist immer wieder cool, wenn da auf einmal ein weinendes, desorientiertes und panisches Kind vorne ist, ist ja im Prinzip nichts anderes als ne "mittlere Anpasungsschwierigkeit"...).
Naja, was soll man dazu schon großartig sagen....

Obwohl ich denke, dass ich absolut im Recht bin, stelle ich mich auf eine lange Verhandlungszeit ein und mache mir nicht zu große Hoffnung. Aber ich will kämpfen, für mein Recht und auch für das Recht anderer "Multipler", weil man immer meint, uns unter den Tisch kehren zu können, das stößt mir so langsam auf, obwohl ich nun wirklich nicht zu Wut neige.


Ansonsten ist sooo viel passiert, dass das gar nicht alles hier hin passt.

Ich war nämlich auch super mutig und war an diesem Montag sehr spontan bei einem Handball-Training hier in der neuen Stadt.
Bis gestern hatte ich davon noch Muskelkater, am gesamten Körper, da ich ja ewig keinen richtigen Sport mehr gemacht habe.
Bin mir noch unsicher, ob ich da hingehen möchte.
Das ist einfach meine Sportart, das weiß ich, habe als Kind viele Jahre sehr erfolgreich Handball gespielt.
Aber es war mir zu viel pressure da, damit kann ich nicht umgehen, jedenfalls nicht mehr.
Aber dies ist eine größere Stadt und ich habe noch zwei weitere Vereine gefunden, die ihr Training auch am Montag oder Freitag abhalten, da ich die anderen Tage ja abends beim Studium hocken muss.
Nächste Woche werde ich also zu einem anderen Verein gehen und da mal probehalber mittrainieren, bin schon sehr gespannt.

Ich habe nämlich schon große Lust auf Bewegung und Teamsport hat ja auch den netten Nebeneffekt, dass sich eventuell neue soziale Kontakte ergeben, was nun auch nicht unbedingt schlecht wäre, da sich die Anzahl derer, die ich Freunde nennen kann, doch sehr in Grenzen hält.
Aber ich habe eben keine Lust auf Drill und "Liegestütze zur Strafe" wie am Montag, das ist mir too much und deswegen mal schauen, was mich dann in der kommenden Woche erwartet.

Ich bin jedenfalls stolz auf mich, dass ich das mal wieder so spontan in Angriff genommen habe.
Meine Therapeutin guckt dann immer ganz ungläubig, weil sie denkt, ich wäre super ängstlich und würde mir vorher tausend Gedanken machen, das ist aber gar nicht so, ich gehe ja auch auf große Feste und das macht mir gar nichts und denke auch nicht stundenlang über Dinge nach, sondern mach sie einfach, weil sonst zerdenkt man die Dinge und dann wird alles anstrengend.
Ich schätze aber, das hat den Grund, dass sie jahrelang A. therapiert hat und nicht mich, ich war ja "noch nicht da", aber da habe ich gerade keine Lust drauf, ihr das zu erklären.

Ansonsten gehe ich weiterhin brav zum Studium, gestern hatten wir Philo, waren nur zu viert, das war dann so eine Art "Selbstoffenbarungsstunde". Wir müssen eine Facharbeit und Überraschung, ich habe mir das Thema Dissoziative Identitätsstörung ausgesucht, wohl in der Hoffnung, das Ganze selbst etwas besser verstehen zu können.

Das Witzige ist aber, dass niemand von den Mitstudenten auch nur ansatzweise denken würde, dass ich das hätte, das ehrt mich ja schon sehr, bin ja durchaus auch sehr kompetent und hoffe, dass das zumindest da so bleibt, wenn es schon in meiner Freizeit drüber und drunter läuft.

Naja, irgendwie kamen wir auf das Thema Schwerbehindertenausweis und weil ich meinen Mund nicht halten kann, habe ich gesagt, dass ich auch einen habe.
Und natürlich kam die Frage nach dem Grund, habe ich also was von Krampfanfällen gestammelt, nunja, damit war dann irgendwie das Fass offen.

Aber nicht so ganz, denn niemand kennt dissoziative Krampfanfälle, sondern nur die Epilepsie und nun habe ich also offiziell Epilepsie (weil halbfremden Menschen zu erzählen, dass ich voll traumatisiert bin und deswegen son Kram habe... neee, dann "lieber" ne anerkannte Krankheit, für die man nichts kann (als ob man für ein Trauma was könnte)), was nicht unbedingt eine Lüge ist, denn ich vermute, dass einige Dinge nich zum dissoziativen Bereich gehören, weigere mich aber, das abklären zu lassen, weil Krankenhäuser und Ärzte und so. Ist ja nicht so meins. Und ich hab auch so schon genug Diagnosen.
Tja, ich weiß nicht, ob das jetzt die Runde machen wird, ich hoffe ja nicht und wenn, dann muss ich damit eben leben, wird schon gut gehen.


Und nun will ich versuchen, das Wochenende vielleicht mal etwas besser für mich zu sorgen, denn die Woche über stand ich enorm unter Strom, war ständig im Schwindel und der Dissoziation versunken, eigentlich seitdem ich die Klage abgegeben habe, einfach weil man nicht weiß, wer das alles liest und was als nächstes kommt.

Deswegen habe ich mit einer Notlüge das Arbeiten an einem Vortrag in der Unibibliothek abgesagt, weil ich einfach mal nichts machen will (und kann), vor allem nicht mit einem Mann, auch wenn er nichts dafür kann.

Vielleicht sollte ich mal wieder an die Ostsee fahren.

1 Kommentar:

  1. Ich finde es beeindruckend, was du alles in Angriff nimmst! Vielleicht wäre es eine Option für dich, die ambulante Therapie (vorerst) selbst zu bezahlen? Es ist natürlich nicht fair, dass sich deine Krankenkasse so querstellt und ich kenne mich da nicht gut genug aus, aber evtl. wäre das eine Möglichkeit zur Überbrückung bis der Widerspruch durch ist...

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